mission.de: Christ sein im weltweiten Horizont

EINE INITIATIVE EVANGELISCHER MISSIONSWERKE UNTER DEM DACH DES EVANGELISCHEN MISSIONSWERKS IN DEUTSCHLAND (EMW)

Ist Mission nicht intolerant? Und wie verträgt sich das mit dem interreligiösen Dialog?

Die meisten Religionen haben einen missionarischen Anspruch. Das heißt, ihre Anhänger wollen anderen von ihrem Glauben erzählen und/oder durch ihre Taten so glaubwürdig leben, dass sich andere für diesen Glauben interessieren. Ein solcher Austausch zwischen Menschen ist ebenso normal wie der Dialog über politische oder soziale Fragen.

Die entscheidende Frage ist, ob der Versuch, zu überzeugen, im Respekt vor der Einstellung oder dem Glauben anderer geschieht oder ob man aggressiv für den eigenen Glauben auftritt. Angemessen ist es, wenn man dem afrikanischen Sprichwort „Wir haben zwei Ohren und einen Mund, damit wir doppelt so viel hören wie reden“ folgt.

In einer neuen Grundsatzerklärung [mehr dazu im PDF-Dokument unten] haben evangelische und die römisch-katholische Kirche festgestellt: „Für Christen/innen ist es ein Vorrecht und eine Freude, Rechenschaft über die Hoffnung abzulegen, die in ihnen ist, und dies mit Sanftmut und Respekt zu tun.“

Weiter heißt es zum Beispiel: „Christliches Zeugnis in einer pluralistischen Welt umfasst auch den Dialog mit Menschen, die anderen Religionen und Kulturen angehören. … Wenn Christen/innen bei der Ausübung ihrer Mission zu unangemessenen Methoden wie Täuschung und Zwangsmitteln greifen, verraten sie das Evangelium.“

Mission und Dialog widersprechen sich also nicht, wenn sie so geschehen, wie es die Erklärung beschreibt: „Christen/innen sollten weiterhin von Respekt und Vertrauen geprägte Beziehungen mit Angehörigen anderer Religionen aufbauen, um gegenseitiges Verständnis, Versöhnung und Zusammenarbeit für das Allgemeinwohl zu fördern. Deswegen sind Christen/innen dazu aufgerufen, mit anderen auf eine gemeinsame Vision und Praxis interreligiöser Beziehungen hinzuarbeiten.“

Übrigens ist das Recht, seine Glaubensüberzeugungen zu vertreten, ein wichtiger Bestandteil der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. In Artikel 18 wird festgehalten:

„Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“

Interessanterweise schließt sich direkt daran der wesentlich bekanntere Artikel 19 an, in dem es um das Recht auf Meinungsfreiheit geht.


Text der Grundsatzerklärung "Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt" und ein Hintergrundbericht dazu:PDF-Icon

Über mission.de | Materialbestellung | Impressum | Kontakt | Sitemap | ^nach oben aktualisiert am: 10.10.2017 | 11:56:38